Abschied

Montag, 18. November 2013

Umzug

In diesem Blog ist lange nichts passiert. Bevor ich es komplett offline setze, möchte ich Sie darauf hinweisen, dass ich umgezogen bin.

Alles rund um meine Arbeit als Autorin erfahren Sie zukünftig in meinem Autorenblog.
Kleine Gedanken zum Alltag und viele Fotos finden Sie in meinem persönlichen Blog.
Und alles rund ums Schreibcoaching, Texten und Lektorat steht auf meiner Website.

Schauen Sie gern mal vorbei!

Dienstag, 11. Januar 2011

Die kleinen und großen Abschiede des Alltags - Seminar

Immer wieder müssen wir im Leben Abschied nehmen: von alten Gewohnheiten, vertrauten Umgebungen, Menschen, die uns wichtig sind. Doch das Loslassen fällt oft schwer. Der Kleiderschrank platzt längst aus allen Nähten, aber wir geben trotzdem kein Stück fort. Den Arbeitsplatz verlassen wir nicht, obwohl wir uns dort schon länger nicht mehr wohlfühlen. Wir können die Kinder nicht loslassen, die zuhause ausgezogen sind. Wir hängen fest - an Orten, Menschen, Erinnerungen.

In diesem Seminar betrachten wir den alltäglichen Abschied näher. Wie gehen wir mit den kleinen und größeren Verlusten des Lebens um? Welche Rituale helfen uns beim Loslassen? Wie können wir Lücken schließen und wo finden wir Trost?

Das Seminar findet am 22.01.2011 im VHS-Zentrum Ost in Hamburg-Farmsen statt. Ich freue mich, wenn Sie auch dabei sind.

Zur Anmeldung geht es hier.

Montag, 13. September 2010

Das Leben entrümpeln

Frau Brown hat sich gerade von ihrem Leben in Berlin verabschiedet. Bei mir stehen momentan keine so großen Veränderungen an. Dennoch beschäftigt mich das Thema Abschied auch sehr, wie Sie u. a. hier lesen können. Doch es ist gar nicht immer nur der größte, endgültigste Abschied durch den Tod, der uns bewegt, weil er oft so verstörend und unbegreiflich ist. Vielmehr sind es die kleinen Abschiede des Alltags, die uns so viel Mühe bereiten. Das Loslassen der Kinder, die aus dem Haus gehen, der Job, der uns plötzlich gekündigt wurde, das Entrümpeln des Kellers, das man seit Jahren vor sich herschiebt. Warum ist das so? Warum scheint es oft leichter zu sein, sich an Erinnerungen zu klammern (selbst dann, wenn sie gar nicht schön sind), als vorwärts zu gehen und Neuland zu erkunden?

„Ist ein Fest schöner, weil es länger ist?“ hat die Malerin Paula Modersohn-Becker einmal gefragt. Da ahnte sie vermutlich noch nicht, dass sie selbst sehr jung sterben würde. Umso mehr berühren diese Zeilen aus heutiger Sicht. „Man soll ein Fest verlassen, wenn es am schönsten ist“, sagt der Volksmund. Doch wer schafft es tatsächlich, genau dann zu gehen, wenn die Stimmung gerade überbrodelt und nicht erst dann, wenn alle müde und betrunken in den Seilen hängen?

Ich bereite gerade ein Seminar zu den kleinen und großen Abschieden des Alltags vor. Und während ich lauter Bücher über die Kunst des Beendens lese und mir dabei Gedanken mache, wie ich all die klugen Gedanken didaktisch gelungen in ein Seminar einbauen kann, denke ich an meine eigenen Abschiede, die leichten ebenso wie die schweren. Ich hatte immer Mühe, loszulassen. Manchmal war das ein jahrelanger Prozess, der mit viel Angst und Verzweiflung verbunden war. Aber wenn es dann endlich geklappt hatte, wenn ich den Absprung geschafft hatte, dann fühlte ich mich sehr erleichtert.

"Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen." Auch Konfuzius erinnert uns daran, dass wir nur vorwärts gehen können, wenn wir alles Alte hinter uns gelassen haben. Im Laufe meines Lebens habe ich gelernt, dass ich leichter loslassen kann, wenn ich Abschiede sehr bewusst gestalte. Dabei nehme ich mir viel Zeit für Erinnerungen. Noch einmal denke ich ganz bewusst daran, wie viel mir die Arbeit an diesem Ort, mit diesen Menschen bedeutet hat. Ich erinnere mich an schöne und schwierige Begegnungen mit Kunden und Kollegen, sage innerlich leise Danke und schließe dann sehr bewusst die Tür hinter mir. Oder ich nehme die alte Lieblingsjeans noch mal in die Hand, befühle den Stoff, denke daran, wie ich mich gefühlt habe, während ich sie trug, begutachte dann sehr genau all die fadenscheinigen Stellen, den ausgefransten Stoff unten an den Beinen, seufze vielleicht bedauernd darüber, dass vieles heute nicht mehr so haltbar ist wie früher – und weg damit!

Das eigene Leben zu entrümpeln, bedeutet immer auch, Erinnerungen aus dem Gedächtnis zu löschen. Ich muss mich nicht an alle schrecklichen Momente meines Lebens erinnern, an alle Demütigungen, Augenblicke des Versagens, des Zorns, der Peinlichkeiten. Es ist gut, Dinge zu vergessen, aus meinem Gehirn auszumisten. Wie man sich fühlt, wenn das nicht funktioniert, zeigt dieser Fall sehr anschaulich.

Abschiednehmen ist tatsächlich eine Kunst für sich. Sie zu erlernen ist vermutlich ein lebenslanger Prozess. Doch wer diese Kunst wenigstens ein bisschen beherrscht, wird auf jeden Fall offener für Neues, bereiter für Veränderungen sein als jene Menschen, die sicht ängstlich an die Vergangenheit klammern.

Montag, 30. August 2010

Abschied

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...“ Wenn mir jeder wohlwollende Mitmensch, von dem oder der ich diese Worte aus dem klugen Gedicht von Hermann Hesse in letzter Zeit zu hören bekommen habe, stattdessen einen Euro gegeben hätte, könnten wir davon wohl mittlerweile unseren halben Umzug finanzieren.

Wie so vieles im Leben ist aber auch dies nur die halbe Wahrheit. Denn jeder Abschied ist nicht nur ein Neuanfang, sondern jeder Neuanfang ist auch ein Abschied: ein Abschied von Menschen, die mich jahrelang – in guten wie in schlechten Zeiten – durch den Alltag begleitet haben; ein Abschied von lieb gewonnenen Gewohnheiten; von einer Wohnung mit herrlichem Grünblick, in der wir viele glückliche und einige schwere Stunden miteinander verbracht haben; von einer Stadt, in der man sich niemals über Langeweile, sondern allenfalls über den allzu rauen Umgangston beklagen kann; von Orten, die mit unzähligen Erinnerungen verbunden sind, mit kleinen, beinahe unwichtigen und mit großen, unvergesslichen; und nicht zuletzt von einem Abschnitt meines Lebens, in dem ich viel gelernt, viele unschätzbar wertvolle Erfahrungen gemacht habe und vielleicht sogar endlich ein Stück erwachsen geworden bin. (Würde ja auch höchste Zeit!)

So sehr ich mich auf den Neuanfang freue, so verdammt schwer fällt mir doch dieser Abschied. Von den Knotenpunkten muss ich mich zum Glück nicht verabschieden – auch wenn es in den letzten Monaten recht still geworden ist in unserer virtuellen Bürogemeinschaft und uns vor lauter Arbeit die Mitteilungsfreude vergangen ist – sondern werde Sie über meinen Neuanfang auf dem Laufenden halten.

Donnerstag, 26. August 2010

Endlichkeit

Der Tod von Christoph Schlingensief hat mich erschüttert. Nicht, dass mir dieser Mann besonders nahe gewesen wäre und ich mich intensiv mit seiner Arbeit befasst hätte. Obwohl ich seinen Mut zur Provokation immer bewundert habe und es vor allem sehr schätzte, dass er seine Kunst immer wieder auch für soziale Projekte nutzte. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Vor einem Jahr sah ich ein Interview mit Schlingensief im Fernsehen. Er gab sich trotz seiner schweren und deutlich sichtbaren Krebserkrankung wahnsinnig optimistisch und wirkte unfassbar energiegeladen. Ich saß bestürzt vorm Fernseher und war mir sicher, dass er nicht mehr lange leben würde – entgegen seiner eigenen, offiziell verkündeten Einschätzung. Ehrlich gesagt bin ich direkt erstaunt, dass er überhaupt noch so lange gelebt hat. Die Diagnose Lungenkrebs ist meines Wissens immer ein Todesurteil, das der Eine oder Andere lediglich ein klein wenig nach hinten zu schieben vermag.

Erschüttert hat mich die Erkenntnis, dass es nicht mehr nur Menschen im Alter meiner Eltern sind, deren Tod ich mittelbar oder unmittelbar erlebe, sondern immer häufiger Leute aus meiner eigenen Generation. Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin, die mich in meinem persönlichen Umfeld viele Jahre lang begleitet haben oder eben ganz selbstverständlich in den Medien präsent waren. Einer wie der Schlingensief, so ein Querkopf, ein Kämpfer, ein Energiebündel, der wird doch nicht einfach krank und stirbt – mit noch nicht mal fünfzig Jahren. Das Gefühl von Endlichkeit wird durch seinen Tod für mich wieder einmal auf geradezu schmerzhafte Weise greifbar. Ich denke dann oft: Wenn es einen wie den trifft, bin ich dann vielleicht als Nächste dran?

Gleichzeitig weiß ich, dass unsere Lebenszeit nach einem undurchschaubaren Plan bemessen ist. Manche leben total gesund und sterben trotzdem mit 30 an Krebs. Andere rauchen ihr Leben lang Kette und werden 100 Jahre alt. Es gibt kein sichtbares System, an dem man sich festhalten kann. In Ecuador, so las ich neulich, gibt es ein Dorf, in dem die Leute alle uralt werden. Seit Jahrzehnten rätseln Wissenschaftler, woran das liegen mag. Eins steht fest: Es hat nichts mit einer nach unseren Maßstäben gesunden Lebensweise zu tun. Die Dorfbewohner konsumieren regelmäßig Drogen und essen auch nicht sonderlich gesund.

Wenn ich das so lese, dann kommt mir mein Leben noch viel mehr wie Russisches Roulette vor. Jeder Tag könnte der letzte sein. Und gleichzeitig tun wir alle so, als würden wir ewig leben. Das ist schon ein bisschen verrückt, oder? Aber in Momenten, in denen ich mit dem Tod konfrontiert werde, wird mir bewusst, wie kostbar jeder einzelne Tag ist und wie total irrsinnig es ist, dass wir tausende von Lebenstagen einfach so mit völlig unsinnigem Zeug verplempern. Sicher werde ich nun nicht mein gesamtes Leben umkrempeln, aber ein gelegentliches Innehalten, ein Hinterfragen all dessen, was meinen Alltag ausmacht, tut manchmal schon ganz gut. Schließlich ist unsere Zeit das kostbarste Gut, das wir haben.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Waking the family

Zur deutschen Übersetzung geht's hier.

When my eyes are closed and in the confusion of
all that light inside my skull,
I am waiting on a remembrance, like an item on a list
of exemplary “To Dos”, of that person
or group that I am meant still to meet; they are a sacred family
touting for a lift from a passing bus, they squint at my
puzzlement in an ineffable silence, moving in their
perfectly coloured clothes as if about to begin
the important journey, not a final curtain call,
but the beginning of a major passage through mountains
they will never own or know, a family of marmosets
with a mission beyond the forest’s warm cover. They
are always ready, gathering their belongings,
shifting back their out-of-place locks from their white eyes
that are cast in different directions, looking as if one, like
the Burghers of Calais, grouped together yet quietly in
despair moving up through the flattening mist.
Who are these lovers of mine, my closest destinies, lilacs
of the soul, waiting upon my disappearing self?
I know I am required to meet them, pass my hand to
them like a visa to a border guard, wait with them
as they make their chartings of the mountains,
remembering in advance the past that becomes now and
the future that is a heady longing, remembering the wind
that has breathed by over me into the watery reeds, warming
the early steps around the mountain plains.
My mind is the summit of this mountain, the central one
in the perfectly immobile range that cannot smile
nor speak nor show anger, remaining always either
the beneficent friend or the indifferent enemy.
I do not know where I am, but beneath my feet
is silver grass, remnants of a moon spangled banner
and fields and fields of question marks begging
for attention. Am I in heaven here? Or,
in a mirror of mirrors, holding
a final picture of green and blue, mild as honey water?
The group of shuffling persons is near again,
angling across the skyline, a jagged shadowed group
of desperate intimacy, looking through blind eyes as the day goes.
The border guards are gone, my visa is damp and blurred,
a memory of the future, coveting a history of eclipses
in an undertone, in the silence of a few pages,
a visa, stamped for one visit. Do I search for the family
or are they searching for me? Why are they blind
on the mountain summit yet walk with a deliberation,
a likelihood of getting somewhere, through the storm garden,
purposeful against my un-purpose, my inevitability?
I wish them to be the future held up
in a cup of warm hands, the garland of barbaric smiles.

by Guy Barker,
February 2008

Montag, 24. November 2008

Gedenken

Viele Menschen waren gestern am Totensonntag auf den Friedhöfen unterwegs, um im Gedenken an geliebte Verwandte und Freunde Blumen und Tannengestecke auf die Gräber zu legen. Bei frostigen Temperaturen und fahlblauem Winterhimmel besuchte auch ich das Grab meiner Eltern, ließ meine Erinnerungen treiben, zündete ein Licht an und sammelte ein paar dunkelrote Ahornblätter von der hartgefrorenen Erde auf.

Die Menschen, die mir begegneten, kamen meistens in kleinen Gruppen daher, Alte und Junge, Verwandte, Freunde, die sich zum gemeinsamen Erinnern auf den Weg gemacht hatten. Nur Wenige waren, so wie ich, alleine unterwegs, und es waren immer Frauen. Wir schauten einander wissend in die Augen und gingen anschließend schweigend weiter. Wir Frauen sind oft alleine mit unserer Trauer. Nicht nur, weil die Männer meistens viel früher sterben und ihre Frauen zurücklassen, sondern auch, weil Frauen öffentlicher trauern. Sie gehen auf den Friedhof, pflegen die Gräber, schmücken sie mit Blumen, Steinen und anderen Symbolen ihrer Liebe. Sie sprechen über ihren Verlust, ihren Schmerz, ihre Erinnerungen. Sie schämen sich nicht, auch nach vielen Jahren noch Tränen zu vergießen, weil sich die Lücke nie schließen ließ, die jemand hinterlassen hat.

Männer machen ihre Trauer häufig still mit sich selbst ab. So, wie es ihnen immer noch schwerer als Frauen fällt, über Gefühle zu sprechen, so finden sie auch für das Abschiednehmen und Gedenken andere, weniger öffentliche Wege. Für uns Frauen ist das manchmal schwer auszuhalten, weil wir glauben, die Männer würden nicht trauern, sie würden ihren Schmerz verdrängen. Doch das ist keineswegs so, sie trauern eben nur anders. Es gibt kein Richtig oder Falsch beim Trauern. Wichtig ist nur, dass man für sich einen Weg findet, der stimmig ist, der zu einem selbst passt.

Oft hilft es, Trauer zu verarbeiten, indem man etwas mit seinen Händen macht. Daher gibt es viele Künstler, die sich intensiv mit Abschied und Gedenken auseinander setzen. Einige Ergebnisse sind jetzt in einer Ausstellung im Hamburger Lotsenhaus zu sehen. Vier Künstler haben sich auf sehr unterschiedliche Weise dem Thema genähert. Die Bandbreite reicht von Keramiken über Metallskulpturen und florale Kunstwerke bis hin zu außergewöhnlich gestalteten Urnen und Särgen. Dabei hat diese Ausstellung nichts Morbides oder Effekthaschendes an sich. Es sind vielmehr die leisen Töne, die hier überwiegen. Es geht um eine würdevolle Auseinandersetzung mit dem Tod, um den Versuch einer Annäherung an etwas, das vielen Menschen Angst macht und das sie lieber verdrängen möchten. Und doch können wir das nicht. Kaum ein erwachsener Mensch ist noch nicht mit dem Tod konfrontiert worden, musste noch nicht Abschied nehmen von Großeltern, Eltern, Freunden oder gar Kindern.

Die Mitarbeiter des Hamburger Lotsenhauses schlagen nicht nur mit dieser Ausstellung Brücken. Sie stellen auch schön gestaltete Räume zur Verfügung, in denen alle Menschen, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit, die Möglichkeit haben, Abschied zu nehmen und für sich selbst ihre ganz persönlichen Momente des Erinnerns zu schaffen. Vielleicht spricht dieser besondere Ort ja sogar Männer an, die es nicht so mit Friedhöfen und Blümchen haben, und ermutigt sie, neue Wege des Gedenkens zu finden.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Erinnerung

Tot ist nur, wer vergessen wird.

Dieser Vers steht auf einem Gedenkstein für Opfer des Zweiten Weltkrieges. Ich finde ihn immer wieder aufs Neue sehr tröstlich. In der Erinnerung begleiten uns geliebte Menschen auch über ihren Tod hinaus auf unseren Wegen und sind uns nahe. Manchmal sprechen wir mit ihnen, wir träumen nachts von ihnen, oder wir spüren einfach nur ihre Präsenz auf eine Weise, für die es oft keine Worte gibt.

Der Tod ist niemals nur Abschied, er ist immer auch ein Weitergehen, ein Verändern von Beziehungen und Sichtweisen. Wer das selbst erfährt, kommt dem Geheimnis des Lebens ein wenig mehr auf die Spur und hat vielleicht vor dem eigenen Tod oder dem Tod geliebter Menschen nicht mehr ganz so viel Angst.

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