Freitag, 20. November 2009

Liebe wird aus Mut gemacht

„Am liebsten würde ich meinen Job hinschmeißen und eine Zeitlang gar nichts machen“, sagt eine Bekannte, und sie sagt es in einem so nachdenklichen Ton, dass ich weiß, es ist nicht nur so im momentanen Frust dahergeredet. „Und zu deinem Freund ziehen?“ frage ich. Er hat eine gut bezahlte Stelle in einem EU-Nachbarstaat, und die beiden sehen sich bestenfalls alle paar Wochen. Meine Bekannte nickt.

Ich möchte ihr allerhand zu bedenken geben: Willst du dich wirklich von einem Mann abhängig machen, mit dem du bisher nur im Urlaub zusammen gelebt hast? In einem Land noch dazu, wo du nicht mal die Sprache beherrscht? Ohne eigene Berufsperspektiven? Warum wartest du nicht ab, ob du ihn in zwei Jahren immer noch liebst? Aber Bedenken hat sie erstens selber genug, und zweitens verfüge ich auf diesem Gebiet weder über Frau Burkhardts professionelle Kompetenz, noch würde ich mich auch nach neunzehn weitgehend geglückten gemeinsamen Jahren jemals als Expertin für Männerhaltung ausgeben wollen.

Statt dessen zitiere ich Nena. „Liebe wird aus Mut gemacht“: aus Übermut, aus Wagemut, aus Wehmut – und manchmal, seien wir doch ehrlich, aus einer gehörigen Portion Wankelmut. Mit Anfang Zwanzig, bis über beide Ohren verliebt und von einer monatelangen Fernbeziehung emotional ausgezehrt, erschien es mir einst kein großes Ding, ihn zu überwinden. Später werden die Hürden immer höher. In unserem Freundeskreis erleben wir gerade, wie ein alter Junggeselle damit hadert, dass seine Freundin, ihrerseits Langzeitstudentin mit ebenso vielen Semestern WG-Erfahrung, eine Wohnung geerbt hat, in die er nun mit ihr einziehen soll. Ein eigenes Arbeitszimmer hat er schon ausgehandelt; nun müssen Designer-Regale für seine CD-Sammlung her, die sich bisher wüst auf dem Boden stapeln durfte. Wer an welchen Wochentagen kochen und putzen muss, ist noch nicht raus.

Ein anderes Pärchen, zwei ehrgeizige Akademiker, die sich absolut nicht vorstellen können, außerhalb der Uni zu arbeiten, hangelt sich von einem Kompromiss zum nächsten: er in Bulgarien, sie in Detroit; beide in Kanada, er auf einer Professur, während sie sich mit mageren Lehraufträgen begnügt. Und eine Freundin aus Übersee, die eine Aufenthaltsgenehmigung, aber keine Arbeitserlaubnis hat, erzählt mir immer wieder, wie schwer es ihr fällt, nichts zur Haushaltskasse beitragen zu können. Mit der behördlich auferlegten Heirat wird sich wenigstens das ändern. Selbst Michelle Obama, deren Ehe in den Medien mal als glamouröse Traumromanze, mal als postfeministisches Ideal gefeiert wird, bekannte jüngst in einem sehr offenherzigen Interview, wie schwierig es sein kann, ihr Leben mit dem mächtigsten Mann der Welt zu teilen.

Manchmal ertappe ich mich bei dem ketzerischen Gedanken, ob nicht früher doch alles einfacher war: als man von seinem Gehalt eine ganze Familie ernähren konnte und frau sich mit der Hochzeit oder spätestens mit der Geburt des ersten Kindes ganz selbstverständlich in finanzielle, ja in existenzielle Abhängigkeit von ihm begab. Diese Zeiten sind vorbei – zum Glück: Dass noch heute Frauen – oft, aber längst nicht immer – die größeren Opfer bringen, von der First Lady bis zu meiner unschlüssigen Bekannten, steht auf einem anderen Blatt. Trotzdem kann ich sie nur ermuntern, sich auf das Wagnis einzulassen, ihrem Herzen einen Ruck und ihrer Beziehung eine Chance zu geben. Vielleicht wird daraus etwas Dauerhaftes, bis dass der Tod sie scheidet, vielleicht auch nur ein kurzes Abenteuer in der Fremde; vielleicht lernt sie, ihren Gefühlen nie wieder zu trauen, oder vielleicht wird sie beim nächsten Mal von Anfang an klarer wissen, was sie will und was nicht – alles besser als das Bedauern über eine ausgeschlagene Gelegenheit, eine nie gelebte Erfahrung!

Montag, 16. November 2009

Meisern Sie Ihr Leben!

Wissen Sie, was meisern ist? Nein? Ich ehrlich gesagt auch nicht. Allerdings weiß ich, dass in diesem Verb viel Kraft zu stecken scheint und es auf geradezu magische Weise zu Erfolg verhilft. Wie das gehen kann? Ganz einfach.

Ich hatte kürzlich bei Xing auf meinen Vortrag „Mittendrin! Wie Frauen erfolgreich ihre Lebensmitte meistern“ – hingewiesen. Und wie das manchmal so ist, war ich etwas in Eile und überblickte nicht gleich, was ich da in die kleinen, unkomfortablen Formularfelder tippte. Flüchtig gegenlesen, abschicken und – zack! – stand mein Text nicht nur für alle Welt sichtbar im Netz, sondern ging auch als Einladung an etliche Frauen hinaus. Es dauerte nur ein, zwei Minuten, bis ich entdeckte, dass sich ausgerechnet in die Überschrift der Fehlerteufel eingeschlichen und ein kleines „t“ gefressen hatte. So stand da nun „Wie Frauen erfolgreich ihre Lebensmitte meisern“. Wie peinlich war das denn! Ausgerechnet mir als Texterin unterlief so ein fataler Fehler. Ich hätte im Erdboden versinken mögen und verfluchte dieses blöde Internet, das so gnadenlos den letzten Mist ins Universum posaunt, ohne dass es die Möglichkeit gibt, eine groß angelegte – und vor allem heimliche! – Rückholaktion zu starten. Zwar konnte ich den Text bei Xing korrigieren, aber die automatisch verschickten Einladungen ließen sich natürlich nicht rückgängig machen. Lediglich eine zweite, korrigierte Version rettete meine Ehre etwas. „Hey Leute“, signalisierte ich damit, „ich hab selbst gesehen, dass ich schlampig gearbeitet habe.“ Unangenehm war mir, der Perfektionistin, die Sache trotzdem weiterhin.

Am nächsten Tag klingelte mein Telefon. In der Leitung war eine Frau, der ich vor längerer Zeit mal bei einem Workshop begegnet war. Wir hatten damals zwar Adressen getauscht, aber außer einer Vernetzung bei Xing passierte nichts weiter – bis zu jenem Anruf. Die Frau arbeitet ebenfalls als Texterin und Lektorin. Sie amüsierte sich köstlich über die fehlerhafte Einladung, die sie auch erhalten hatte. „Du bist vermutlich im Erdboden versunken, was?“ fragte sie, und ich war froh, dass sie nicht sehen konnte, wie rot ich wurde. Von einer Kollegin auf diesen Fauxpas hingewiesen zu werden, war ja noch viel unangenehmer. Doch dann stellte sich heraus, dass dieser kleine Fehler die Kollegin keineswegs abgeschreckt, sondern neugierig gemacht hatte. Sie schaute sich meine Website an, stellte fest, dass es dort keine weiteren „meisern“-Pannen zu lesen gibt, und war schließlich so begeistert, dass sie mich anrief. Wir führten ein sehr langes, sehr nettes Gespräch miteinander. Am Ende erhielt ich fast einen neuen Auftrag und hatte außerdem eine Kooperation in Aussicht.

Manchmal können kleine Fehler also durchaus charmant und nützlich sein. Vielleicht, weil sie von Lebendigkeit zeugen. Absolute Perfektion kann schließlich auch langweilig und steril wirken. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele meiserhafte Begegnungen.

Freitag, 6. November 2009

Mittendrin! Wie Frauen erfolgreich ihre Lebensmitte meistern

Graue Haare, Brille, Falten - ab 40 lässt nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit sichtbar nach. Auch im Alltag verändert sich vieles. Die Kinder gehen aus dem Haus, die eigenen Eltern werden pflegebedürftig und sterben, auf dem Arbeitsmarkt sind Berufstätige ab 45 immer seltener gefragt, und für kinderlose Frauen läuft die Zeit endgültig ab, um noch Mutter zu werden. Wie bewältigen Frauen diese Phase großer Veränderung? Wie schaffen sie es, Vergangenes loszulassen? Wie finden sie den Mut, neue Wege zu gehen?

In meiner Arbeit als Persönlichkeitscoach unterstütze ich immer wieder gerade Frauen dabei, die Veränderungen des eigenen Lebens positiv zu sehen und kreativ zu nutzen. Die Themen sind dabei sehr vielfältig. Wechseljahre, Partnerschaft, berufliche Selbstverwirklichung – jede Frau hat andere Ziele und Wünsche. Doch mit dem Älterwerden haben sie fast alle Probleme. In einer Gesellschaft, in der Jugend und perfekte Schönheit einen hohen Stellenwert haben, ist es besonders schwer, mit der eigenen körperlichen Vergänglichkeit umzugehen. Natürlich gibt es heute viele Möglichkeiten, nachzubessern. Ein paar Botox-Spritzen hier, ein bisschen Fettabsaugen da, ein Stückchen Silikon dort - schon sehen wir aus wie neu. Doch was nutzt es, wenn wir unseren Körper in der Optik einer Dreißigjährigen konservieren, uns innerlich aber alt, verlassen und einsam fühlen?

Wissenschaftlern ist nämlich längst klar, dass unser gefühltes Alter nicht davon abhängt, wie viele Falten wir haben, und ob wir morgens noch schmerzfrei und schwungvoll aus dem Bett kommen. Viel wichtiger ist unsere innere Einstellung. Frauen, die das Älterwerden als gegebene Lebensentwicklung akzeptieren und wenig Aufhebens darum machen, fühlen sich in der Regel jünger als jene, die sehr hartnäckig dagegen ankämpfen und ständig ihrer verlorenen Jugend nachtrauern. Dazu kommt ein deutlicher Wandel in unserer Gesellschaft. Früher waren Frauen zwischen 40 und 50 in erster Linie damit beschäftigt, ihren Status Quo zu sichern. Spätestens ab 60 waren sie nur noch Rentnerin und Oma – eine alte Frau eben. Heute nehmen Frauen zwischen 40 und 50 immer öfter noch einmal sehr bewusst einen Kurswechsel vor. Sie werden doch noch Mutter. Sie starten beruflich nach langer Familienpause ganz neu durch. Sie erfüllen sich lang gehegte Träume. Freilich muss nicht jede Frau gleich ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellen. Der größte Erfolg liegt oft in kleinen Veränderungen – ein bisschen mehr Bewegung, ein wenig mehr Zeit für sich selbst, eine etwas positivere Sicht auf das eigene Alter bewirken schon Wunder.

Mehr rund ums Älterwerden erfahren Sie in meinem Vortrag für Frauen: „Mittendrin! Wie Frauen erfolgreich ihre Lebensmitte meistern.“

Termin: 18. November 2009, 20:15 Uhr
Ort: Fitness-Studio Just Ladies (Inhaberin Uta Brodersen),
Methfesselstraße 60, 20257 Hamburg
Anmeldung: Bitte melden Sie sich bis zum 17.11. per Mail oder Telefon
hier an.
Der Eintritt ist frei.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Karrierefrauen

Allein zu leben, ist für viele Menschen eine grässliche Vorstellung. Alles alleine entscheiden müssen, den Alltag komplett alleine organisieren, auf Nähe und Zärtlichkeit verzichten, Einsamkeit aushalten – das alles klingt wenig verlockend und ist wohl einer der Hauptgründe, warum Viele es vorziehen, lieber in wenig glücklichen Beziehungen auszuharren, als sich nach einer Trennung längeren Zeiten des Alleinseins auszusetzen.

Umgekehrt macht große Stärke es wiederum schwierig, sich auf einen Partner einzustellen, Kompromisse einzugehen, sich selbst zurückzunehmen. Vor allem bei Frauen in Führungspositionen bleibt daher das Privatleben häufig auf der Strecke, wie Business Coach Christina Kuenzle festgestellt hat. Interessant dabei finde ich den Aspekt, dass Männer sehr wohl Beziehungen unter ihrem Stand eingehen, während Frauen das nicht tun. Der Chefarzt heiratet die Krankenschwester, die Chefärztin jedoch keinesfalls den Krankenpfleger. Frauen suchen Partner, die ihnen auf beruflicher Ebene mindestens ebenbürtig sind. Bei Frauen in hohen Führungspositionen bedeutet das also, dass sie vorzugsweise nach einem anderen Alphatier Ausschau halten. Eine derartige Verbindung geht jedoch häufig schief, weil dann auch zuhause noch Machtkämpfe ausgefochten werden.

Nun hat sich ja in unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten viel getan. Was früher absolut undenkbar war, ist heute selbstverständlich. Dass Frauen sich deutlich jüngere Männer suchen und mit ihnen dauerhaft glücklich werden können, wundert niemanden mehr. Dass Single-Frauen verschrobene Jungfrauen sind und als „Fräulein“ gebrandmarkt werden – Schnee von gestern. Dass Männer auch eine weiche, weibliche Seite haben und diese bewusst in eine Partnerschaft einbringen, wird in jedem Hochglanzmagazin verkündet. Und doch scheinen gewisse Rollenbilder in uns so verankert zu sein, dass wir uns nicht von ihnen lösen können. Oder woran sonst liegt es, dass sich Frauen so schwer damit tun, eine Partnerschaft mit einem Mann einzugehen, der zwar nicht ihren Bildungsabschluss hat, aber ansonsten alle Qualitäten aufweist, um sie dauerhaft zu stützen und zu stärken und ihnen auch beruflich den Rücken freizuhalten?

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Alle Jahre wieder

Irritiert es Sie auch jedes Jahr, wenn Sie bereits im September in den Geschäften die ersten Hinweise auf Weihnachten entdecken? Oder haben Sie sich an den Anblick gewöhnt und nehmen schulterzuckend zur Kenntnis, dass spätestens Mitte Oktober niemand mehr übersehen kann, dass es nun nur noch schlappe zwei Monate bis zum Fest der Feste sind? Gehören Sie vielleicht sogar zu all jenen Kunden, die dankbar sind, dass sie in aller Ruhe auswählen und vergleichen können, statt erst in letzter Sekunde loszuhetzen, um noch einen Restposten Adventskerzen zu ergattern?

Ich bin in der Hinsicht sehr altmodisch. Im Oktober ist Herbst, und sonst nichts (ich kann auch dem Halloween-Tralala nichts abgewinnen). Im November kommt die Zeit der stillen Tage, der Ruhe und Besinnung. Und erst nach dem Totensonntag richte ich den Blick nach vorne auf Weihnachten. Erst dann bin ich bereit, Lebkuchen und Lichterketten zu kaufen und mir über Geschenke für all meine Lieben Gedanken zu machen. Die Zeit reicht immer, egal wie voll mein Terminkalender ist. Ich bin noch nie in echte Hektik geraten. Das liegt sicher daran, dass ich mir bewusst Zeit nehme für das Schmücken meiner Wohnung und das Kaufen der Geschenke. Und es hat auch damit zu tun, dass meine Familie schon lange davon Abschied genommen hat, an Weihnachten das perfekteste Fest aller Zeiten zu feiern. Viel wichtiger ist, dass wir uns gemeinsam nach einem anstrengenden Jahr entspannen können und Zeit füreinander haben. Alles andere ist egal. Darum gehen wir tatsächlich sehr gelassen in die Feiertage.

Und darum muss ich mir auch jetzt noch keine Gedanken über Weihnachten machen. Ich genieße lieber weiter den Herbst, statt diese Jahreszeit einfach zu überspringen. Weihnachten kommt doch sowieso. Im Dezember. Und dann habe auch ich garantiert Lust auf Strohsterne, Engel und selbstgebackene Plätzchen.

Edit:
Ohne Werbung für die Kirchen machen zu wollen, aber gestern fiel mir zufällig diese Postkarte in die Hände. Sie passt sehr schön zu der kleinen Diskussion, die dieser Blogtext ausgelöst hat:

apfelbaum_advent_ist_im_dezember1

Abschied
Aus dem Kiez
Coaching
Das Krimi-Experiment
Dies und Das
Feierabend
Kommunikation
Kreatives Schreiben
Leben
Lost in Translation
Nachgedacht
Schnappschüsse
Singles
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