Religiöser Eifer

Richard Dawkins provoziert mal wieder. Sein Hass auf alles Metaphysische grenzt wahrlich an religiösen Eifer. Im Januar sollen Londoner Busse mit der Aufschrift „There’s probably no God. Now stop worrying and enjoy your life“ durch die Straßen von Westminster kurven. Dafür sammelt die British Humanist Association seit Ende Oktober Spenden. Ihr ursprüngliches Ziel von 5.500 Pfund, die Dawkins aus eigener Tasche zu verdoppeln versprochen hatte, wurde innerhalb von zehn Stunden erreicht. Inzwischen haben die Organisatoren gemeldet, über 100.000 Pfund beisammen zu haben, mit denen sie landesweit entsprechende Aktionen finanzieren wollen. Noch schneller war freilich der amerikanische Schwesterverband: In Washington D. C. ist die Kampagne bereits angerollt. Seit dem 19. November steht dort auf Bussen die Frohe Botschaft zu lesen: „Why believe in a god? Just be good for goodness' sake“.

Der Slogan, so Dawkins und die Initiatorin Ariane Sherine, soll zum Nachdenken, zum Diskutieren anregen und einen Kontrapunkt setzen zu der kirchlichen Erlösungspropaganda, mit der wir überall berieselt werden. Dass er ganz konziliant lautet: “Es gibt wahrscheinlich keinen Gott”, begründet Sherine als Zugeständnis an die britische Werbeaufsichtsbehörde. Außerdem lasse sich die Nichtexistenz ebenso wenig wie die Existenz eines Gottes wissenschaftlich nachweisen, sei also genauso eine Glaubensfrage, und der Atheismus verstehe sich ausdrücklich nicht als Bekenntnis zum Glauben – vielmehr eben zum Zweifeln und Hinterfragen.

Schön und gut. Mir persönlich ist diese Botschaft durchaus sympathisch, und die T-Shirts dazu sehen echt ganz cool aus. (Der Praktikant hat sich gleich eins bestellt – wir haben ihm allerdings gesagt, dass er das bitte nicht im Büro trägt. Bei uns soll sich schließlich kein Kunde vor den Kopf gestoßen fühlen. Schlimm genug, dass er mit diesem Totenschädel auf der Brust herumläuft!) Nur: Was mich an Glaubensgemeinschaften am allermeisten stört, ist zum einen der Fanatismus, mit dem sie Andersdenkende bekehren wollen, und zum anderen die unheilige Allianz aus geldlicher, weltlicher und göttlicher Macht. Muss man Atheismus wirklich predigen? Und vor allem: Sollte man für Weltanschauungen Reklame machen, als wären sie die Wochenschnäppchen eines Möbelhauses?

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