Einheitsbrei

Manche Defizite werden einem erst bewusst, wenn man nach etwas verlangt, das es schon lange nicht mehr gibt. Mir ging heute auf, dass man in meinem Viertel zwar an jeder Ecke drei Apotheken, fünf Coffee Shops und acht Bekleidungsläden findet (ob da ein Zusammenhang besteht, entzieht sich meiner Kenntnis), die Auswahl in anderen Branchen aber teilweise sehr eingeschränkt ist.

Wenn ich zum Beispiel verreisen will, bin ich ziemlich aufgeschmissen. Das ist mir aber erst heute bewusst geworden. Zwei Reisebüros in meiner direkten Nachbarschaft existieren schon länger nicht mehr, und ein drittes hat sich ganz auf Reisen in die Türkei spezialisiert. Da ich in den letzten Jahren die meisten meiner Reisen übers Internet gebucht habe, ist mir dieser Mangel bis heute nicht aufgefallen. Auf der Jagd nach dem günstigsten Schnäppchen habe ich für eine einwöchige Reise oft mindestens noch mal so viel Zeit damit zugebracht, die Internetangebote zu vergleichen. Am Ende war ich dann tatsächlich urlaubsreif. Ob ich wirklich immer billiger und besser als im Reisebüro um die Ecke weggekommen bin, kann ich nicht mal sagen, denn dazu fehlen mir die Vergleiche. Auf jeden Fall habe ich sicher selbst mit dazu beigetragen, dass bestimmte Dienstleistungen in meinem Viertel nur noch eingeschränkt zu erhalten sind.

Auf der Suche nach einer persönlichen Beratung und Katalogen, in denen ich in Ruhe stöbern kann, fiel mir tatsächlich nur ein einziges noch bestehendes Reisebüro ein. Zwei andere entdeckte ich später noch eher zufällig. Drei Reisebüros gegenüber gefühlten hundert Klamottenläden, fünfzig Coffee Shops und dreißig Apotheken. Das ist doch eine höchst seltsame Verteilung, oder?

Ich glaube, ich werde in Zukunft wieder öfter in realen Läden einkaufen und mit echten Menschen verhandeln als immer nur in Onlineshops zu stöbern. So bequem es auch ist, an einem verregneten Sonntagnachmittag vom heimischen Sofa aus den Flug in die Sonne zu buchen und damit neben dem Reiseveranstalter meistens ein Reisebüro irgendwo am anderen Ende der Republik zu beglücken, so schön fühlt es sich doch auch an, die Dienstleister in der direkten Nachbarschaft zu unterstützen. Nur so kann ich zu einer lebendigen Stadtkultur beitragen und ein Angebot jenseits großer Ketten und Kaufhäuser am Leben erhalten.

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